
Aus dem Wasser gefischt: 506 Münzen aus aller Herren Länder.
Alexander Schweigert und Michel sind stolz. (vb)
Vater und Sohn finden “Schatz” im Mühlenteich
So, wie Kinder sich aufs Ostereiersuchen freuen, fiebert Alexander Schweigert seinen Schatzsucher-Touren entgegen. “Geocaching” nennt sich eine moderne Form der Schnitzeljagd. Mit Hilfe von Internet und GPS können die Verstecke aufgestöbert werden.
Allein in Deutschland beteiligen sich schon 30 000 Menschen an diesem Sport, bei dem es ums Finden und Verstecken geht. Bei der Gelegenheit entdeckte der Bredstedter seinen “Schatz vom Mühlenteich”.
Bredstedt – Der 39-jährige Finanzdienstleister fährt voll aufs “Geocaching” (Cache = heimliches Versteck) ab. Ein Hobby, das vor einigen Jahren von Amerika nach Europa schwappte. In Deutschland sind inzwischen schon schätzungsweise 30 000 Menschen diesem Spiel “verfallen”. Bei dieser modernen Form von Abenteuer, bei dem Spürsinn und Kombinationsgabe gefragt sind und der Entdeckergeist wach gekitzelt wird, gibt es zwei Parts. Die einen, die “Schätze” verstecken, und die anderen, die sie aufstöbern. Wobei die Rollen jederzeit austauschbar sind.
Im Klartext: Der Schatzverstecker deponiert an landschaftlich schönen oder ausgefallenen Stellen wasserdichte Behälter mit einem kleinen Geschenk und einem Logbuch darin – oder mit einem Hinweis auf das nächste Depot. Denn das Geocaching kann sich – je nach Schwierigkeitsgrad – über mehrere Stationen erstrecken. Die Start-Koordinaten stehen im Internet. Mit Hilfe des GPS, einem satellitengestützten System zur Positionsbestimmung, lassen sich die Verstecke bis auf vier Meter genau orten. Dann ist das Späherauge und der wache Geist des Suchers gefragt.
Wer fündig geworden ist, darf den Schatz – meistens Nippes wie Schlüsselring oder Figürchen – behalten, hinterlässt aber ein neues, gleichwertiges Geschenk für den nächsten. Der Finder trägt sich im Logbuch ein, versteckt den Behälter wieder an gleicher Stelle und vermeldet seinen Fund im Internet.
Deutschlandweit gibt es rund 45 000 Verstecke, in Nordfriesland über 100, so Schweigerts vorsichtige Schätzung. Allein in Husum liegen mindestens fünf Schätze, weiß er. Der Ehrenkodex der Geocaching-Gemeinde verbietet es, Standorte zu verraten. Mit den selbst gelegten Schätzen ist das etwas anderes. Und so gibt Schweigert als kleines Ostergeschenk an die HN-Leser sogar eines seiner Verstecke preis: Wer beim Ausflug in die Hattstedtermarsch kommt, sollte sich einmal ganz genau auf dem Vogelbeobachtungsturm umschauen, etwa so in drei Metern Höhe. Wer die Box erspäht, darf sich im Logbuch verewigen.
Bei Familie Schweigert hatte das Hobby übrigens ganz harmlos vor einem Jahr begonnen. Sohn Michel, damals fünf Jahre alt, erwies sich als Spürnase. Er entdeckte beim Ausflug zur alten Grenzlerburg in Salzgitter einen Stein, der irgendwie komisch aussah. Und siehe da – es war ein “Geocache”. Die Neugierde war geweckt, der Bredstedter kaufte sich ein GPS-Gerät und legte los.
Inzwischen hat er schon 450 Verstecke aufgespürt – 42 allein an einem einzigen Schatzsucher-Tag in Dänemark. Bei diesen Jagd-Ausflügen kommt Ehefrau Julia (30) lieber nicht mit. “Das ist zu viel Stress”, lacht sie. Aber ansonsten teilt die Familie voll das Hobby des Geocachers. “Erst ging es mir nur um den Schatz selbst”, erzählt der, “aber dann kam doch der sportliche Reiz dazu.” Inzwischen bezeichnet sich der 39-Jährige als Statistik-Cacher. Sein nächstes Etappen-Ziel: die 1 000er Grenze zu überschreiten.
Alexander Schweigert vergleicht das Geocaching mit “dem Sport, bei dem jeder selbst die Suchmaschine ist”. Man müsse gut kombinieren können, denn die “Geocaches” seien an den verrücktesten Stellen platziert: Mal in einem verschlossenen Vogelhäuschen im Wald, mal unter einer Parkbank, mal in einer aufgebohrten Schraube.
Beim Schwierigkeitsgrad fünf kann es sogar sein, dass man mit dem Boot fahren und tauchen muss. Bei nächtlichen Touren im Wald ist sogar ein Gruselfaktor inbegriffen. Laserpoints oder Reflektorstrecken weisen dann den Weg. Schweigert: “Es gibt nur ein Tabu: Die Schätze dürfen nicht verbuddelt werden.” Das oberste Gebot der Geocacher laute außerdem: Der Naturschutz muss beachtet werden.
Rund 30 Schätze hat der Bredstedter schon selbst versteckt. “Drei sind nur bei Ebbe zu finden”, schmunzelt er vielsagend. Als er nun einen Schatz im Bredstedter Mühlenteich versenken wollte und ihn mit einem Magneten versah, damit die Finder auch eine Chance haben, an die Box heranzukommen, fischte er allerlei Schrott aber auch eine aufgebrochene Geldcassette aus dem Wasser. Neugierig geworden suchte er weiter.
Und siehe da: Bald hatte er eine Plastiktüte voller Geld am Haken. 506 Münzen aus aller Herren Länder und ein Geldschein kamen zutage. Der Gesamtwert beträgt zwar nur 25 Euro, “aber spannend ist die Geschichte doch”, so die Familie. Die Polizei verwies Schweigerts an das Fundbüro. Dort hat die Familie jetzt ihren Schatz abgegeben. Wenn sich in einem Jahr kein Besitzer gemeldet hat, will Schweigert die Münzen als Geocache “Der Schatz vom Bredstedter Mühlenteich” verstecken. Jeder Finder darf sich dann eine Münze aussuchen und als Souvenir behalten.
Es ist wohl müßig, zu fragen, was Familie Schweigert an den Feiertagen vorhat . .
Mit freundlicher Genehmigung der Husumer Nachrichten
Orginalartikel
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